Neue Strahlkraft für Weltkulturerbe
Die Festungsanlage «Fortezza Bellinzona» hat eine modernisierte Aussenbeleuchtung erhalten – wirkungsvoll, sehr effizient und mit Rücksicht auf die Historie der drei gut erhaltenen Burgen Castelgrande, Montebello und Sasso Corbaro.
Die Festung von Bellinzona zählt zu den imposantesten Zeugnissen spätmittelalterlicher Militärarchitektur im Alpenraum und ist durch ihre exponierte Lage von Weitem sichtbar. Strategisch positioniert am Eingang zu den Alpenpässen, dienten die drei Burgen über Jahrhunderte der Verteidigung und Machtdemonstration.
Heute stehen sie – gemeinsam mit Stadt- und Wehrmauer – unter dem Schutz der Unesco. Als einzigartiges Ensemble symbolisieren sie die Verbindung von Nord und Süd, von romanischer und germanischer Kultur. Ihre Bedeutung reicht weit über das Tessin hinaus. Sie prägen das Stadtbild von Bellinzona und sind Anziehungspunkt für Tausende Besucher.
Licht im Wandel der Zeit
Die bisherige Beleuchtungsanlage stammte aus dem Jahr 1990 – installiert zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft, entworfen vom Architekten Aurelio Galfetti. 106 Projektoren mit Natriumdampflampen mit verschiedenen Leistungen (250 W, 400 W, 2 x 400 W und 1000 W) tauchten die Burgen damals in ein gelblich-monochromes Licht. Doch nach über drei Jahrzehnten zeigten sich massive Verschleiss-Erscheinungen: Rund ein Drittel der Leuchten war verrostet, viele durch Vandalismus beschädigt, Ersatzteile waren kaum mehr verfügbar.
«Wir konnten zuletzt nur noch die Leuchtmittel ersetzen, die auf dem Markt erhältlich waren», berichtet Auftraggeber Roberto Lucchini von Azienda Multiservizi Bellinzona (AMB), den technischen Betrieben der Stadt Bellinzona. Eine Modernisierung war unumgänglich – nicht nur aus technischer Sicht, sondern auch im Hinblick auf Lichtqualität, Umweltwirkung, Energieverbrauch und Betriebskosten.
Licht mit Feingefühl: Planung zwischen Geschichte und Gegenwart.
Mit der Lichtplanung wurde die Spld SA beauftragt, ein international tätiges Lichtplanungsbüro unter Leitung von Lighting Designer Stefano Dall’Osso. Ziel war ein System, das sowohl die bestehenden Strukturen respektiert als auch bestimmte architektonische Elemente aufwertet, die im Projekt von 1990 noch nicht berücksichtigt wurden.
«Bei der Modernisierung der Beleuchtung eines historischen Komplexes wie der Festung Bellinzona muss ein Beleuchtungsdesigner das Gleichgewicht zwischen Erhaltung, Aufwertung und Nachhaltigkeit finden. Die wichtigsten Qualitätsaspekte sind Ästhetik, Energieeffizienz und Kontrolle der Lichtemissionen. Ziel ist es, die Architektur hervorzuheben, ohne sie zu verändern und eine Beleuchtung zu gewährleisten, die den historischen und ökologischen Kontext respektiert.»
Die neue Beleuchtung bringt weisses Licht mit hoher Farbwiedergabe – eine bewusste Abkehr vom warm-orangen Schimmer der alten Anlage. Die Beleuchtungsstärke jeder einzelnen Leuchte wurde entsprechend den Anforderungen ausgewählt. Dadurch werden Materialität, Textur und Tiefe der historischen Mauern wieder erfahrbar. Gleichzeitig lag der Fokus auf der Vermeidung von Lichtverschmutzung: Jede Leuchte wurde gezielt ausgerichtet, mit Blendschutz versehen und individuell programmiert.
Technik trifft Geschichte
Leuchten, Masten, Traversen, Zhaga-Anschlüsse und sämtliches Montagezubehör – die Zumtobel Licht AG mit ihrer Marke Thorn liefert alles aus einer Hand. Eingesetzt wurden in Summe 254 LED-Architekturstrahler vom Typ Thorn Contrast, ausgewählt wegen ihrer umfangreichen Auswahl an Optiken (eng-, mittel- und breitstrahlend) und des Zubehörs, das eine exakte Feinjustierung der Lichtverteilung und Vermeidung von unnötigen Lichtemissionen durch Abschattungselemente ermöglicht. Die teilweise sehr schwer zugänglichen Standorte der Leuchten mitten im Fels konnten damit mehrheitlich beibehalten werden. Die neue Beleuchtungstechnologie ermöglicht es, das Lichtniveau pro Leuchte individuell zu regeln. Zusätzlich steht ab dem Einschaltzeitpunkt immer sofort 100 Prozent Lichtleistung zur Verfügung – ohne Aufwärmphase.
Für jeden Lichtpunkt wurden individuelle Mast- und Montagesysteme entwickelt – möglichst unauffällig, massgefertigt und ohne Eingriffe in die historische Substanz.
Lichtblick für ein Welterbe
Die neue Beleuchtung bringt nicht nur technische Vorteile, sondern auch emotionale Qualität: Die historische Substanz erscheint nun bei Nacht in einer neuen Klarheit, mit Tiefe, Kontur und Materialcharakter. Die gerichteten Lichtakzente unterstreichen Geometrie und Strukturen der historischen Mauern.
Durch modernste Lichttechnologie lassen sich Energieverbrauch und Wartungskosten deutlich reduzieren. Gleichzeitig konnten dank gezielter Lichtlenkung störende Emissionen gegenüber der Umgebung vermieden werden.
Roberto Lucchini fasst zusammen: «Wir haben Lichtemissionen beseitigt, zudem die Wartungskosten stark reduziert. Das Projekt war sehr komplex und die Anforderungen des Kunden waren extrem hoch. Für einen reibungslosen Ablauf brauchten wir zuverlässige und erfahrene Partner. Das Resultat gibt uns recht. Die neue Beleuchtung hat meine Erwartungen weit übertroffen.»
Gemeinsam erfolgreich: Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Das Projekt war in jeder Hinsicht anspruchsvoll: komplexe Genehmigungsverfahren, schwer zugängliche Standorte, vielfältige Anforderungen aus Denkmalpflege, Technik und Stadtplanung. Involvierte Stellen waren unter anderem der Kanton Tessin, die Stadt Bellinzona, das Amt für Kulturgüter und die Schlösserkommission.
Entscheidend für den Erfolg war die enge Zusammenarbeit aller Projektpartner – AMB, Spld, Zumtobel Licht AG mit ihrer Marke Thorn Lighting und die zuständigen Behörden. Die Festung von Bellinzona ist nun nicht nur besser sichtbar – sie sendet ein Zeichen, wie moderne Lichttechnik dem kulturellen Erbe gerecht werden kann.