Flexibel und sicher: So geht mobiles Laden

Mobile Ladegeräte für Elektroautos bieten maximale Flexibilität, erfordern im rauen Alltag aber höchste Sicherheit. Viele kennen sie nur als Notladekabel, dabei gibt es heutzutage auch Modelle, die ihren festplatzierten Pendants in nichts mehr nachstehen

Mobiles Laden
Quelle: Juice Technology

Wallboxen sind heute weit verbreitet und gehören vielerorts bereits zur Standardausstattung von Parkplätzen und Garagen. Doch in der Praxis gibt es zahlreiche Situationen, in denen eine fest installierte Ladeeinrichtung nicht ausreicht. Mobile Ladegeräte füllen diese Lücke und machen Elektromobilität auch dort möglich, wo keine Infrastruktur vorhanden ist. Sie ergänzen das Ladeökosystem um entscheidende Flexibilität und eröffnen neue Einsatzmöglichkeiten – etwa beim Aussendienst mit wechselnden Einsatzorten, für Zwischenladungen bei Kunden, auf Baustellen oder bei Veranstaltungen. Damit mobiles Laden überall sicher und zuverlässig funktioniert, müssen die Geräte robust konstruiert sein und die aktuellen Normen erfüllen.

Normen: Sinnvolle Basis für Sicherheit oder unnötige Bürokratie?

Mobile Charger stehen vor komplexeren Herausforderungen als stationäre Systeme. Sie müssen unterschiedlichste Netzsituationen beherrschen, den Schutz von Personen und Gebäudeinfrastruktur gewährleisten und von Laien sicher bedient werden können. Die Norm SN EN IEC 62752 setzt hierfür den verbindlichen Rahmen. Sie schreibt unter anderem eine zuverlässige Fehlerstromerkennung für Wechsel- und Gleichströme sowie das gleichzeitige Abschalten aller stromführenden Leiter vor. Nur so lässt sich verhindern, dass gefährliche Spannungen auf der fahrzeugseitigen Ladekupplung anliegen. Produkte dürfen also den Strom erst dann freigeben, wenn die Ladekupplung am Fahrzeuganschluss sicher eingerastet ist.

Ein Blick auf manche Billigprodukte verdeutlicht, warum diese Normen unverzichtbar sind. Auf einer Messe stiess Juice auf einen günstigen Charger aus Fernost und unterzog ihn einem Test. Dabei zeigte sich: Auf der Ladekupplung lag Spannung an, obwohl keine Verbindung zum Fahrzeug bestand. Gerät ein solcher Stecker versehentlich in eine Pfütze, können die Folgen lebensgefährlich sein. Hinzu kommt, dass einige dieser Geräte bei Verwendung mit Schuko-Adaptersteckern eine Stromstärke von 16 Ampere zulassen – und überschreiten damit die zulässige Obergrenze in mehreren europäischen Ländern: In Deutschland und Frankreich zum Beispiel sind nur 10 Ampere und in Dänemark sogar nur 6 Ampere erlaubt. Solche Regelverstösse könnten ältere Hausinstallationen überlasten und so das Brandrisiko erhöhen.

Temperaturüberwachung als Schutzmassnahme

Es kommt vor, dass mobile Ladegeräte an alten oder ungeprüften Steckdosen betrieben werden. Hier kann es schnell zu Überhitzung kommen. Eine Temperaturüberwachung direkt an den Steckkontakten ist ein wirkungsvolles Mittel der Prävention. Sie erkennt kritische Erwärmungen frühzeitig und unterbricht den Ladevorgang, bevor Schäden entstehen. Bei Juice ist diese Technologie seit Langem Standard, seit 2024 ist sie auch in der Norm IEC 62752 verbindlich vorgeschrieben – ein klarer Beleg für ihre Wirksamkeit in der Praxis.

Robuste Technik für den Ausseneinsatz

Weil mobile Ladestationen oft im Freien und unter rauen Bedingungen zum Einsatz kommen, müssen sie besonders widerstandsfähig sein. Hohe Schutzarten wie IP67 und IK10 gewährleisten Wasserdichtheit, Staubschutz, Stossfestigkeit und sogar die Widerstandsfähigkeit gegen das Überfahrenwerden. Solche Eigenschaften machen die Geräte alltagstauglich und schützen sie zuverlässig vor typischen Risiken im mobilen Einsatz.

Mobiles Laden
Einige mobile Ladegeräte können heutzutage mit bis zu 22 kW laden. Das hier abgebildete Modell von Tesla ist eher ein Ladekabel für den Notfall, könnte mit dem passenden Adapter aber zumindest mit 7,4 kW laden.
Quelle: Electrosuisse

Maximale Ladepower ohne Überlastung

Ein weiteres Sicherheitsmerkmal moderner mobiler Wallboxen ist die automatische Leistungsanpassung an den angeschlossenen Adapter. Dadurch wird eine Überlastung der lokalen Installation vermieden, ohne dass der Nutzer selbst Einstellungen vornehmen muss. Für Anwender bedeutet das stressfreies und sicheres Laden, auch wenn sie mit elektrotechnischen Details nicht vertraut sind.

Keine unsichtbaren Risiken dank EMV-Prüfung

Neben den elektrischen Sicherheitsaspekten spielt auch die elektromagnetische Verträglichkeit eine nicht unwesentliche Rolle. Alle elektronischen Geräte senden elektromagnetische Felder aus, doch die Emissionen unterliegen streng geregelten Grenzwerten. Werden sie überschritten, kann dies nicht nur den Radio- oder Fernsehempfang stören, sondern im schlimmsten Fall auch medizinische Geräte beeinflussen. Ein von Juice getesteter mobiler Charger eines Mitbewerbers überschritt die Grenzwerte um mehr als 10 dB, was einer Verzehnfachung der erlaubten Strahlungsleistung entspricht. Obwohl das Fahrzeug problemlos geladen wurde, bestand die Gefahr von Störungen in der Umgebung. Diese können von beeinträchtigten Mobilfunk- oder WLAN-Verbindungen bis hin zu aus dem Takt geratenen Herzschrittmachern reichen. Deshalb sind EMV-Prüfungen in der Entwicklung und Produktion unerlässlich. Sie stellen sicher, dass mobile Ladegeräte keine unsichtbaren Risiken verursachen.

Cybersecurity als neue Herausforderung

Mit der zunehmenden Vernetzung von Fahrzeugen, Ladepunkten, Gebäuden und Netzen wächst auch die Bedeutung der Cybersicherheit. Jede Schnittstelle kann ein Einfallstor für Angriffe sein. Entsprechend müssen Ladegeräte nach den Prinzipien von Security-by-Design entwickelt werden. Dazu gehören verschlüsselte Verbindungen, signierte Updates, klare Authentifizierungsverfahren und ein durchgängiges Monitoring. Auch die Lieferkette ist einzubeziehen, denn Schwachstellen können schon auf Bauteilebene entstehen. Richtlinien wie die ISO/SAE 21434 aus der Automobilindustrie bieten für die Bedrohungsanalyse und Risikobewertung eine wertvolle Orientierung und lassen sich direkt auf die Ladeinfrastruktur übertragen.

Worauf sollten Fachleute achten?

Für Elektrofachleute sind die Qualitätsunterschiede erkennbar. Hochwertige Produkte zeichnen sich durch solide Verarbeitung, umfassende Schutzmechanismen und unabhängige Prüfberichte aus. Hersteller, die bereits als Tier-1-Lieferanten für die Automobilindustrie tätig sind, bringen zusätzliches Vertrauen mit. Das CE-Zeichen allein ist hingegen kein Garant für Qualität, da es lediglich eine Selbsterklärung darstellt. Verlässlicher sind Zertifizierungen durch unabhängige Prüfstellen und dokumentierte Nachweise der Normkonformität.

Normen im Wandel: Aktualität ist entscheidend

Normen sind keine starren Regelwerke, sondern entwickeln sich ständig weiter. Neue Anwendungsfälle wie das bidirektionale Laden bringen zusätzliche Anforderungen, die sowohl das Produktdesign als auch die Installationspraxis beeinflussen. Für Hersteller, Planer und Installateure ist es daher unerlässlich, die Entwicklungen kontinuierlich zu verfolgen. Normkonformität ist weit mehr als eine bürokratische Pflicht: Sie ist ein Sicherheitsversprechen und ein Zeichen technischer Kompetenz.

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