Drei-Prioritäten-Netz: Das steckt hinter mehrstufigen Stromkonzepten

Stromausfälle können in Rechenzentren, Krankenhäusern oder Industrieanlagen verheerende Folgen haben. Mit dem Drei-Prioritäten-Netz lassen sich solche Risiken minimieren. Warum dieses mehrstufige Versorgungskonzept aus öffentlichem Netz, USV und Dieselgenerator nicht nur die Betriebssicherheit erhöht, sondern auch wirtschaftliche und ­technische Ziele vereint.

Akkus einer USV
Die Akkus einer USV können in deren Gehäuse oder auf Batterie-Racks verbaut werden.
Quelle: Cedric Himmelberger

Eine zuverlässige Stromversorgung ist in vielen technischen Anlagen entscheidend für die Betriebssicherheit und Verfügbarkeit. Besonders in kritischen Infrastrukturen wie Rechenzentren, Krankenhäusern oder industriellen Produktionsanlagen können selbst kurze Stromunterbrüche zu erheblichen Schäden oder Betriebsstörungen führen. Um solche Risiken zu minimieren, werden mehrstufige Versorgungskonzepte eingesetzt. Ein bewährtes Prinzip ist das sogenannte Drei-Prioritäten-Netz. Dabei arbeitet das öffentliche Netz, eine unterbruchsfreie Stromversorgung (USV) mit Akkumulatoren sowie einem Diesel-Notstromgenerator zusammen. Ziel ist es, eine lückenlose Energieversorgung sicherzustellen und gleichzeitig sowohl wirtschaftliche als auch technische Betriebsziele zu erreichen.

Funktion und Einsatzgebiete

Das Drei-Prioritäten-Netz kombiniert Energiequellen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Im Normalbetrieb erfolgt die Versorgung über das öffentliche Netz. Fällt dieses aus, übernimmt die USV praktisch ohne Unterbruch die Stromversorgung der kritischen Verbraucher. Parallel dazu startet der Dieselgenerator, der nach wenigen Sekunden die Last übernimmt und eine längerfristige Versorgung ermöglicht.

Ein Dieselgenerator in offener Bauform
Ein Dieselgenerator in offener Bauform
Quelle: Cedric Himmelberger

Solche Systeme kommen überall dort zum Einsatz, wo eine hohe Versorgungszuverlässigkeit gefordert ist. Typische Beispiele sind Rechenzentren, medizinische Einrichtungen, Leitstellen, Telekommunikationsanlagen sowie industrielle Produktionsprozesse mit empfindlicher Steuerungs- und Automatisierungstechnik.

Aufbau, Komponenten und Abläufe

Ein typisches System besteht aus einer Netzüberwachung mit automatischer Netzumschaltung, einer USV-Anlage mit Gleich- und Wechselrichter, Akkumulatoren sowie einer Netzersatzanlage mit Dieselgenerator, deren Steuerungselektronik sowie einem Tages- und Langzeittank mit Diesel. Bei grossen Anlagen sind für die drei Ebenen jeweils mindestens ein Feld einer Hauptverteilung vorzusehen. Der Generator befindet sich meist abgesetzt von den restlichen Anlagenteilen in einem gut belüfteten Raum oder im Aussenbereich eines Gebäudes.

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Ein 1000-l-Tagestank zur Überbrückung längerer Ausfälle.
Ein 1000-l-Tagestank zur Überbrückung längerer Ausfälle.
Quelle: Cedric Himmelberger
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Die Steuerung einer 3-Prio-Netz-Anlage aus den 90er-Jahren
Die Steuerung einer 3-Prio-Netz-Anlage aus den 90er-Jahren.
Quelle: Cedric Himmelberger

Im Normalbetrieb versorgt das öffentliche Netz die Verbraucher und lädt gleichzeitig die Akkus der USV. Kommt es zu einem Netzausfall, übernimmt die USV innerhalb weniger Millisekunden die Versorgung der angeschlossenen Lasten. Gleichzeitig erhält der Generator ein Startsignal. Nach einer Hochlaufphase von typischerweise 10 bis 15 Sekunden stabilisiert sich die Generatordrehzahl und die Last wird auf die Netzersatzanlage zugeschaltet. Die USV bleibt dabei aktiv und wirkt weiterhin als Puffer und Spannungsstabilisator. Die USV kann mittels «By-Pass» für Wartungszwecke beziehungsweise bei Überlast überbrückt werden. Ein Schutz der dahinter geschalteten Verbraucher ist in dieser Zeit nicht gewährleistet, sofern keine redundanten Systeme verbaut sind.

Dimensionierungsregeln, Faustformeln und Geräte-Nennleistungen

Die Dimensionierung orientiert sich an der Summe der kritischen Verbraucher und an den geforderten Überbrückungszeiten. Die Leistung der USV wird üblicherweise mit einem Sicherheitszuschlag von etwa 50 Prozent über der maximalen Dauerlast ausgelegt. Allfällige Einschaltströme, Ausbauten und Gleichzeitigkeiten werden darin berücksichtigt. Die Kapazität der Akkus wird dabei ebenfalls mit rund 50 Prozent Zuschlag dimensioniert, hauptsächlich aufgrund der Alterung der Zellen. Die typischen USV-Leistungen in gewerblichen Anwendungen liegen zwischen 10 kVA und mehreren Hundert kVA. Die Regel: Die Bestimmung einer USV sollte nur «so gross wie nötig» und nicht «so gross wie möglich» erfolgen.

Die Batteriekapazität wird so gewählt, dass sie die Last während der Generatorstartzeit sicher überbrücken kann. Häufig sind Überbrückungszeiten von 5 bis 15 Minuten vorgesehen. Der Dieselgenerator wird meist mit einer Leistung von etwa 1,2- bis 1,5-facher kritischer Last dimensioniert, um Anlaufströme und Lastspitzen abzudecken.

In der folgenden Aufzählung sind einige Richtwerte zu üblichen Verbrauchern hinter der USV. Datenblätter der Hersteller helfen bei der korrekten Dimensionierung.

  • Monitor 500 VA
  • Switch 50 VA
  • Workstation 500–1500 VA
  • Laserdrucker 1000 VA
  • TVA 250 VA min.
  • Router m. Firewall 120 W
  • Verwaltungsserver 700 W
  • Webserver 700 W
  • Fileserver 700 W

Praxistipps

In der Planung ist eine klare Priorisierung der Verbraucher entscheidend. Kritische Systeme sollten konsequent über die USV geführt werden, während weniger wichtige Lasten bei Notstrombetrieb abgeschaltet werden. Ebenso wichtig ist eine saubere Selektivität, damit bei Fehlern nur betroffene Anlagenteile abschalten.

Regelmässige Testläufe der Netzersatzanlage sowie Wartungen der Batterien sind unerlässlich, um die Funktionsfähigkeit sicherzustellen. In der Praxis bewährt sich zudem eine klare Dokumentation der Umschaltlogik und der Lastverteilung, damit das Service- und Betriebspersonal im Störungsfall schnell reagieren kann.