Stromgesetz und Photovoltaik: Solarstrom gemeinsam lokal nutzen
2024 veränderte das neue Stromgesetz die Spielregeln im Photovoltaik-Markt. Was zunächst wie ein Risiko für die Wirtschaftlichkeit wirkt, kann sich durch Energiegemeinschaften zum Modell für eine nachhaltige Zukunft erweisen.
Vier Studierende der ABB Technikerschule haben im Auftrag der Engitec AG die praktische Umsetzbarkeit von virtuellen Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (vZEV) sowie lokalen Elektrizitätsverbunden (LEG) untersucht. Die Engitec AG in Winterthur plant und realisiert Photovoltaikanlagen, Speicherlösungen und Energiemanagementsysteme mit dem Ziel einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Energieversorgung. Auf einem Winterthurer Areal der Stiftung Abendrot startete dazu ein Pilotprojekt. Ziel ist es, lokal produzierten Strom gemeinschaftlich zu nutzen und so die Abhängigkeit vom Netz zu verringern. Die Analyse zeigt: Energiegemeinschaften ermöglichen wirtschaftlich attraktive Lösungen und leisten zugleich einen Beitrag zu Stabilität und Nachhaltigkeit.
Von der Analyse zur Wirtschaftlichkeit
Gemeinsam mit den Stadtwerken Winterthur wurden die Energieflüsse analysiert. Darauf folgte die Planung virtueller Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (vZEV) sowie eines lokalen Elektrizitätsverbunds (LEG). Auch wenn es sich zunächst um Planszenarien handelte, zeichnete sich ein klares Bild der möglichen Umsetzung von Energiegemeinschaften ab.
Die Modelle wurden anschliessend einer Wirtschaftlichkeitsanalyse unterzogen – mit positiven Ergebnissen: Solarstrom kann an weitere Parteien verkauft werden und erzielt bessere Erlöse als mit der reinen Mindestvergütung. Während vZEVs vor allem für kleinere Areale geeignet sind, lässt sich ein LEG auf ganze Quartiere skalieren und erschliesst ein deutlich grösseres Nutzungspotenzial. Die Analyse zeigte zwar auch eine zentrale Herausforderung, diese lässt sich jedoch im Rahmen von Energiegemeinschaften lösen.
Speicherlösungen gegen Sommerüberschüsse
Die hohe Produktion im Sommer führt zu Überschüssen, die sonst zu tiefen Vergütungssätzen ins Netz eingespeist würden. Ein lokaler Speicher bietet hier die Lösung: Er ermöglicht, den tagsüber erzeugten Strom in der Nacht zu nutzen und reduziert den Überschuss. Gleichzeitig kann die Energie zu höheren Tarifen als die Mindestvergütung an die Teilnehmer zurückgespeist werden. Speicher sind damit keine Investition ohne Kosten-Nutzen-Effekt mehr, sondern ein Instrument, um die Rentabilität langfristig zu sichern.
Fazit
Das Pilotprojekt in Winterthur zeigt, dass Energiegemeinschaften eine wirksame Antwort auf die Herausforderungen des neuen Stromgesetzes sind. Sie steigern den Eigenverbrauch, sichern die Wirtschaftlichkeit und eröffnen durch Speicherlösungen zusätzliche Erlösmöglichkeiten. Damit werden Photovoltaikanlagen nicht nur rentabel betrieben, sondern zugleich zu einem Baustein für eine sichere, nachhaltige Energiezukunft.
Energie- und Umwelttechniker/innen HF sind Spezialisten in anspruchsvollen Energie- und Umweltfragen. Dabei übernehmen sie die Verantwortung für eine energieeffiziente und umweltgerechte Leistungserbringung. Sie bauen oder implementieren Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energieformen und der Umwelttechnologie. Zudem sind sie für den energieeffizienten, umweltgerechten Betrieb technischer Systeme verantwortlich – Energieeffizienz, nachhaltige Verfahren und Umweltaspekte stehen im Fokus ihrer Tätigkeit. Das Besondere an einem Studium an einer Höheren Fachschule ist, dass dieses ohne Berufsmatura absolviert werden kann. Vorausgesetzt werden ein EFZ und eine einschlägige Berufstätigkeit während des Studiums von mindestens 50 Prozent. Die Vernetzung zwischen den Lehrfächern sowie von Theorie und Praxis hat bei der ABB-Technikerschule einen sehr hohen Stellenwert. Die ABB-Technikerschule mit Standorten in Baden und Sursee ist eine öffentliche Bildungsinstitution in der Höheren Berufsbildung und bietet technisch ausgebildeten Berufsfachleuten berufsbegleitende Bildungsgänge, Nachdiplomstudien und zukunftsgerichtete Weiterbildungsformate an. Sie wurde 1971 gegründet, ist eidgenössisch anerkannt und nicht-profitorientiert.