Sicherheit in elektrischen Anlagen

Für Stromerzeuger und Netz­betreiber ist es von grösster Wichtigkeit, dass im Umgang mit ihren Produkten keine Unfälle geschehen. Die gute Nachricht: Elektri­zität ist grundsätzlich eine sichere Sache, aber nur dann, wenn in der Hektik des Alltags die Sicherheitsregeln nicht vergessen gehen. Unterstützung bringt die Neuauflage des Fachbuchs ­«Sicherheit in elektrischen Anlagen».

Sicherheit
Quelle: Electrosuisse

Der Mensch nimmt elektrischen Strom, im Gegensatz beispielsweise zu Licht oder Wärme, nicht direkt wahr. Er spürt jedoch die Wirkungen, die gesundheitliche Schäden verursachen oder gar zum Tod führen können. Deshalb wird dem Schutz der Elektrofachleute bei ihrer Arbeit grösste Bedeutung beigemessen. Denn Arbeiten an elektrischen Anlagen sind anspruchsvoll und erfordern ein hohes Fachwissen.

Schutzmassnahmen und -einrichtungen helfen

Die Anzahl der tödlichen und schweren Unfälle mit Elektrizität ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, auch dank der Präventionskampagne «5 + 5 lebenswichtige Regeln im Umgang mit Elektrizität» der Suva. Allerdings gilt immer noch, dass bei praktisch allen Unfällen oder Schadensfällen Bestimmungen und Hinweise bezüglich der Sicherheit in elektrischen Anlagen missachtet werden.

Schutzmassnahmen und -einrichtungen können helfen, Menschenleben zu retten und werden glücklicherweise kontinuierlich weiterentwickelt. Galt beispielsweise die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung früher als teure zusätzliche Schutzmassnahme für besondere Anwendungen, in Badezimmern oder im Freien, ist die breite Anwendung der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung für den Personen- und Sachschutz unterdessen zur Selbstverständlichkeit geworden. Weiter gilt es, Normen und Weisungen zu kennen und sich bezüglich Sicherheitsstandards und neuen Voraussetzungen auf dem Laufenden zu halten.

Von Fachleuten für Fachleute

Peter Bryner und Josef Schmucki sind als Fachleute bezüglich Sicherheit in elektrischen Anlagen gut in nationalen und internationalen Normengremien vernetzt. Ihr Fachbuch «Sicherheit in elektrischen Anlagen» hat sich als Standardwerk etabliert. In der nun komplett überarbeiteten und erweiterten Neuauflage präsentieren die Autoren den aktuellen Wissensstand zur Technik von elektrischen Anlagen und einem sicheren Umgang damit. Neue Erkenntnisse, zum Teil bereits veröffentlicht in Broschüren und Referaten, wurden in dieses Werk aufgenommen. Den Autoren und mit ihnen den Planern, Erstellern und Betreibern elektrischer Anlagen und Erzeugnisse liegt viel daran, dass das vorhandene Wissen zur Sicherheit in elektrischen Anlagen im Alltag zur Anwendung kommt. Mit den zahlreichen Schemas, Grafiken und Tabellen eignet sich die vorliegende Publikation ideal als Nachschlagewerk und Lehrbuch im Bestreben um noch mehr Sicherheit in elektrischen Anlagen.

Peter Bryner
Der Autor Peter Bryner im Kurzinterview.
Quelle: Electrosuisse

Das Fachbuch «Sicherheit in elektrischen Anlagen» ist ein echter Dauerbrenner und nun bereits in der 5. Auflage erschienen. Aber wie kam es ursprünglich überhaupt zur Idee zum Buch?

Peter Bryner: Da muss ich ein wenig ausholen. 1973 hat Edwin Homberger, seinerzeit Oberingenieur und Leiter des eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI) ein Fachbuch mit dem Titel «Schutzmassnahmen in elektrischen Anlagen» herausgegeben. Homberger verfügte über ein unglaubliches Fachwissen und hat sich intensiv mit Elektrounfällen in der Schweiz auseinandergesetzt, viele davon hat er höchstpersönlich untersucht. Dieses Wissen und seine Erfahrung im Umgang mit Elektrizität hat er in seinem Fachbuch niedergeschrieben. Anfang der 2000er-Jahre wollten wir dieses Know-how auf den neusten Stand bringen. Es gab neue Erkenntnisse, neue Schutzmassnahmen und -geräte, neue Materialien und neue Technologien, die wir bei unserem Buch miteinfliessen lassen konnten – die Zeit war reif für etwas Neues.

Mit wir meinst du dich und deinen Co-Autor Josef Schmucki?

Peter Bryner: Genau, Sepp war ein langjähriger Mitarbeiter von Electrosuisse, mittlerweile befindet er sich in seinem wohlverdienten Ruhestand. Zusammen haben wir bereits viele Wissensbroschüren erarbeitet und herausgegeben, auch an der NIN haben wir stark mitgearbeitet. Wir hatten immer grossen Respekt vor der Arbeit von Edwin Homberger und beschlossen dann gemeinsam, unser persönliches Wissen sowie das der Electrosuisse in diesem Buch niederzuschreiben. Denn der oberste Grundsatz beim Umgang mit Elektrizität ist es immer, dass weder Personen, Tiere noch Sachwerte gefährdet werden dürfen. Dazu braucht es Gesetze, Verordnungen und Normen, die bei Einhaltung und regelmässiger Kontrolle eine hohe Sicherheit gewährleisten. Hierzu ist ein breites, fundiertes Wissen nötig, welches wir von der Electrosuisse über Jahre aufgebaut haben und nun in dieser Form bereits in der fünften Auflage an die Elektrofachleute weitergeben können.

Welche Bereiche deckt das Buch ab und was ist neu im Vergleich zur letzten Auflage?

Peter Bryner: Wie erwähnt, unser grösstes Anliegen ist es, für funktionsfähige und sichere Installationen zu Sorgen. Dies spiegelt sich auch in diesem Buch wider. Der Inhalt reicht von Schutzmassnahmen über die Erprobung und Prüfung bis hin zu elektrischen und elektromagnetischen Feldern, Sicherheitskonzepten und der Instandhaltung. Sepp und ich haben diese Kapitel nicht einfach nur geschrieben, wir wollten beide alles genauestens verstehen, so dass wir alles in seiner Richtigkeit wiedergeben konnten. Das heisst, wenn einer über das Thema XY besser Bescheid wusste, erklärten wir uns das bis ins Detail, so dass wir auf dem gleichen Wissensstand waren. Wir haben zahlreiche Themen überarbeitet oder präzisiert, insbesondere die Bereiche Brand- und Blitzschutz enthalten viel neues Fachwissen. Aber auch in den Bereichen Schutzpotenzialausgleich oder Leitungsschutzschalter ist viel Neues mit dabei. Darüber hinaus war es uns ein Anliegen, vermehrt mit Grafiken zu arbeiten. Diese bieten einen schnellen Überblick auch über komplexe Sachverhalte und sind meist sehr schnell verständlich.

Du bist nun schon seit 30 Jahren bei der Electrosuisse. Wird es noch eine sechste Auflage mit deiner Mitarbeit geben – oder übernimmt die KI dann vollständig diese Arbeit?

Peter Bryner: Glücklicherweise muss ich mir jetzt noch keine Gedanken darüber machen. Zuerst wird das gesamte Fachbuch nun noch auf Französisch übersetzt. Diese Veröffentlichung ist für das Frühjahr 2024 geplant. Wenn es dann in einigen Jahren eine sechste Auflage geben sollte, mache ich mir da überhaupt keine Sorgen, selbst wenn ich nicht mehr im vollen Umfang zur Verfügung stehen würde. Wir haben gute junge Fachleute bei uns, die unser Erbe weiterführen können und zumindest beratend werden wir sicherlich gerne mit dabei sein – und notfalls gibt es ja immer noch die erwähnte Künstliche Intelligenz.

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