Frühwarnsystem warnt vor brennenden Akkus

Brennende Lithium-Akkus in Autos können schnell zur Gefahr für Mensch und Umwelt werden. Bisherige Warnsysteme reagieren erst wenige Minuten vor der Selbstentzündung einer Batterie, dem sogenannten thermischen Durchgehen. Ein neues Frühwarnsystem soll nun schon Wochen vorher auf mögliche gefährliche Schädigungen des Akkus hinweisen.

BMS
Quelle: Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Gesetzliche Vorschriften in der Europäischen Union regeln, dass ein Elektroauto mindestens fünf Minuten vor dem thermischen Durchgehen des Akkus ein Warnsignal an die Personen in der Fahrgastzelle abgeben muss. Dies geschieht meist über das Batteriemanagementsystem (BMS), die elektronische Steuerungseinheit des Akkus. Das BMS überwacht die Leistung und den Zustand einzelner Batteriezellen und Zellverbünde.

Bisher Totalverlust der Batterie fast unvermeidlich

Bisherige Warnsysteme registrieren schadhafte Veränderungen des Akkus über Sensoren, die auf verdächtige Temperatur- oder Druckveränderungen innerhalb der Batterie reagieren. Der Nachteil dabei: Ein Alarm wird erst ausgelöst, wenn die Batterie bereits gravierend geschädigt ist. Ein thermisches Durchgehen und damit wahrscheinlich auch die vollständige Zerstörung der Batterie sind zu diesem Zeitpunkt meist unvermeidlich.

Neues System misst und analysiert Impedanz 

Die deutsche Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) forscht nun zusammen mit Vitesco Technologies an einem Frühwarnsystem, das kritische Veränderungen in einzelnen Batteriezellen früher anzeigen soll, um so Totalverluste vermeiden zu können. Grundlage des Frühwarnsystems ist ein Verfahren, das fortwährend den elektrischen Wechselstromwiderstand – die Impedanz – in der Zelle misst und analysiert. 

Eine Veränderung der Impedanz kann auf verschiedene Defekte oder unerwünschte Zustände hinweisen. Diese können beispielsweise durch Vibrationen, Stösse, thermische Belastungen, Materialversagen oder auch Herstellungsfehler hervorgerufen werden. Unabhängig von der jeweiligen Ursache ist jedoch in jedem Fall eine Änderung der Impedanz zu erwarten.

Bislang sind für aussagekräftige Impedanzanalysen lange Messzeiten notwendig. Sie verhindern die Implementierung derartiger Analysen in ein BMS. Der Ansatz des Projekt-Teams: Es modifiziert die Messmethodik, sodass eine hohe Beschleunigung in Aufzeichnung und Verarbeitung der Impedanzdaten möglich ist.

Das auf dieser Technologie basierende Frühwarnsystem soll im Ernstfall einen Service initiieren oder als sofortige Schutzmassnahmen, zum Beispiel das Abschalten einzelner Zellen, auslösen. So liessen sich nicht nur gravierende Schäden bei Lithium-Akkus vermeiden und damit Kosten einsparen, sondern auch Menschen vor den Gefahren eines Akkubrandes besser schützen.

bam.de