Batteriespeicher nachrüsten – so gehts
PV-Anlagen lassen sich insbesondere dort wirtschaftlich realisieren, wo geeignete Dachflächen vorhanden sind oder im Zuge eines Neubaus entstehen. Ihr volles Potenzial entfalten sie bei hohem Eigenverbrauch, denn jede genutzte Kilowattstunde senkt dauerhaft Netznutzungskosten und Gebühren. Beides trifft auf Gewerbe, Industrie und landwirtschaftliche Betriebe zu. Doch ein entscheidender Hebel bleibt vielerorts noch unberührt.
In den letzten fünf bis zehn Jahren sind zahlreiche grosse PV-Anlagen entstanden. Deren Besitzer konnten sich über eine hohe Rendite freuen, denn die Rückliefertarife ins Stromnetz waren meist höher als die spezifischen Installationskosten.
Ein Blick in die «Statistik Sonnenenergie 2024» unterstreicht diese Entwicklung eindrücklich: In der Leistungsklasse über 20 kWp wurden jährlich rund 17 000 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 1200 MWp installiert.
Bemerkenswert ist jedoch ein anderer Wert: Rund 90 Prozent dieser Anlagen wurden (noch) ohne Batteriespeicher umgesetzt.
Angesichts sinkender Rückliefertarife, steigender Netzkosten und wachsender Anforderungen an die Netzstabilität stellt sich daher eine zentrale Frage: Ist es an der Zeit, bestehende Anlagen mit Speichern nachzurüsten – und welches Potenzial schlummert in diesen 90 Prozent?
2026 kam die Wende: Mittags einspeisen wurde unattraktiv
2026 hat der Wind definitiv gedreht: Die Rückliefertarife richten sich neu nach einem Referenzmarktpreis, der erst nach Abschluss eines Quartals festgelegt und vom lokalen Netzbetreiber vergütet wird. Solarstromproduzenten liefern damit neu vorab ins Netz, ohne zu wissen, welchen Preis sie am Ende tatsächlich erhalten. Ein Umstand, der grossen Unmut auslöst und PV-Anlagenbesitzer antreibt, nach neuen Lösungen zu suchen.
Abgeleitet wird der Referenzmarktpreis aus dem «Day-Ahead»-Preis an der Strombörse. Dieser folgt Angebot und Nachfrage und zeigt deutliche Tiefpreise an sonnigen Tagen. Wenn also für den kommenden Tag eine hohe Solarstromproduktion erwartet wird, liegt der Preis im Sommerhalbjahr oft bei +/- 0 Rp./kWh oder sogar im negativen Bereich. In der Schweiz hatten 2025 die Day-Ahead-Preise bereits während 573 Stunden ein negatives Vorzeichen. Mit dem weiteren Zubau von Solaranlagen wird diese Tendenz in den kommenden Jahren deutlich verstärkt. Es braucht daher neue Lösungen.
Abbildung 2 zeigt für jede Stunde im Jahr 2025 die Day-Ahead-Preise an der Schweizer Strommarktbörse. Dunkelblau bedeutet einen Preis von 0 Rp./kWh oder tiefer, Rot steht für Preise über 20 Rp./kWh (reiner Energiepreis ohne Netzgebühren und Abgaben).
An einem mittleren Sommertag übersteigt das Stromangebot – primär dank Solarstrom – die Nachfrage zwischen 9 und 17 Uhr. Genau dieser Marktwert bildet die Grundlage für die Berechnung des Referenzmarktpreises und damit für die Entschädigung der Einspeisung ins Netz. Je mehr Solarstrom also gleichzeitig produziert und eingespeist wird, desto tiefer wird er vergütet.
Abbildung 2 zeigt aber auch das Gegenbild: Morgens und abends im Sommer sowie im Winter oft ganztags liegen die Preise deutlich höher. Für die Versorgung dieser Zeiten gewinnen Speicher deshalb generell an Bedeutung – denn sie machen aus «Mittagsstrom» wieder Energie, die dann verfügbar ist, wenn sie am meisten gebraucht (und am Markt höher bewertet) wird.
Abbildung 3 zeigt die Simulation von Stromproduktion und Stromnachfrage (Last) einer durchschnittlichen Woche im Sommer 2025. Import und Exportmengen wurden dabei ausgeblendet.
Dies macht deutlich: Tagsüber überragt die Stromproduktion die Nachfrage, während morgens und abends inländischer Strom zur Deckung der Nachfrage fehlt. Genau dieses Muster erklärt, warum die Stromwirtschaft den Solarstrom – insbesondere zur Mittagszeit – zunehmend schlecht entschädigt.
Handelsoptionen für Solarstrom-Produzenten
Das Erfolgsrezept heisst: Eigenverbrauch erhöhen und Netzeinspeisung zeitlich verschieben. Doch wie lässt sich das in der Praxis umsetzen?
Eigenen Stromverbrauch nach der Sonne ausrichten (Lastverschiebung) und so den Eigenverbrauch steigern. Diese Massnahme ist günstig, aber meist nur beschränkt möglich.
Die Stromproduktion an Nachbarn verkaufen (virtueller ZEV), sofern dieser am gleichen Stromanschlusspunkt angeschlossen ist. Diese Lösung heisst «virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch» und ist kostengünstig. Am wirksamsten ist dieser Ansatz, wenn die Verbrauchsprofile des Nachbarn komplementär zu jenen des Produzenten sind.
Den Produktionsüberschuss am Tag speichern (Batterie) und in der Nacht selbst nutzen. Oder zu Zeiten ins Netz einspeisen, wenn die Vergütung höher ist (dynamische Einspeisetarife). Diese Massnahme erfordert zwar eine zusätzliche Investition. Dafür wird der Eigenverbrauch maximiert und Leistungskosten gegenüber dem Stromversorger werden reduziert, was die Gesamtrentabilität der Eigenproduktion massiv verbessern kann.
Wie Speicher in realen Anlagen wirken
Die folgenden zwei Praxisbeispiele zeigen kompakt, wie sich typische Lastprofile in Landwirtschaft und Gewerbe unterscheiden – und wie ein nachgerüsteter Batteriespeicher den Eigenverbrauch erhöht und Energie zeitlich verschiebt, sodass PV-Erträge vor Ort genutzt werden können. Beide realisierten Praxisprojekte illustrieren den praktischen Nutzen von Speichern in unterschiedlichen Betriebsrealitäten.
Beispiel 1: Batteriespeicher im Landwirtschaftsbetrieb
Dieses Beispiel (siehe oberstes Bild) zeigt einen milchproduzierenden Landwirtschaftsbetrieb im Kanton Freiburg. Dieser benötigt frühmorgens und abends Strom für den Melkbetrieb, die Kühlung und Silofräse. Während des Tages – also dann, wenn seine PV-Anlage produziert – ist sein Strombedarf mit 2 bis 5 kW tief.
Selbst im Herbst (Grafik vom Oktober) produziert diese PV-Anlage mit 52 kWp täglich rund 240 kWh Solarstrom. Davon wurden dank Indoor-Batterie rund 70 kWh gespeichert und der Nachtbedarf damit vollständig gedeckt. Der Bedarf am frühen Morgen wurde vom Vortag gespiesen. Zwischen 8.30 und 12.00 Uhr wurde die Batterie wieder für die kommende Nacht geladen.
Beispiel 2: Batteriespeicher im Gewerbebetrieb
Stark gestiegene Strompreise haben die Elektron AG in Wädenswil (ZH) im Jahr 2022 veranlasst, eine PV-Anlage mit 255 kWp zu planen und 2023 in Betrieb zu nehmen. 2025 wurde die Anlage mit Hybrid-Wechselrichter und einem Indoorspeicher ergänzt, um den Eigenverbrauch weiter zu steigern.
Abbildung 5 zeigt die in die Batterie ein- und ausgespeicherten Solarstrommengen im Jahr 2025. Es waren über 17 000 kWh, die zusätzlich aus der eigenen Solaranlage vor Ort verbraucht werden konnten. Dies entspricht knapp 200 Batterie-Zyklen (10 bis 100 Prozent Ladestatus). Damit konnte der Eigenverbrauchsgrad auf 82 Prozent gesteigert werden. Aktuell werden also bloss noch 18 Prozent der produzierten Solarstrommenge ins Netz der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich eingespeist. Dies geschieht vor allem an sonnigen Wochenenden, wenn der Verbrauch vor Ort tief und die Batterie schnell voll ist.
Die Batterie der Marke Pylontech ist DC-gekoppelt und wird durch Hybrid-Wechselrichter von Solinteg angesteuert. Dadurch erreicht der Batteriespeicher eine sehr hohe «Round-Trip-Efficiency» von über 94 Prozent.
PV-Anlage zum Eigenverbrauch: 255 kWp
5 × Huawei Stringwechselrichter à 30 kW
Hybrid-Wechselrichter: 2 × Solinteg MHT-30kW-100
LFP-Batterierack: Pylontech M1C 99,5 kWh
Lade-/Entladezyklen: > 200 pro Jahr
Installationsbetrieb: Sunconnect GmbH
Lieferant Batteriespeicher: Elektron AG
So planen Sie die Nachrüstung richtig
Ein Nachrüsten von Solaranlagen in grösseren Objekten, wie landwirtschaftlichen Betrieben, Gewerbe- und Industrieliegenschaften, öffentlichen Gebäuden oder Mehrfamilienhäusern, ist deutlich einfacher, wenn schon bei der Neuinstallation der PV-Anlage auf folgende Punkte geachtet wird:
Hybrid-Wechselrichter einsetzen, sobald die Solarproduktion den Stromverbrauch vor Ort jährlich während mehr als 200 bis 300 Stunden übersteigt.
Wenn bereits Stringwechselrichter verbaut sind, sollten idealerweise die Wechselrichter mit den «besten Strings» durch Hybrid-Wechselrichter ersetzt werden. So lassen sich aktive Komponenten über die Nutzungsdauer auf ein Minimum reduzieren und eine hohe Effizienz erreichen.
Batteriespeicher bis 100 kWh sollen in einem Brandabschnitt von EI30 untergebracht werden. Grössere Speicheranlagen mit über 100 kWh benötigen einen Brandabschnitt von EI60. Also Wände und Türen, die einem Feuer für 60 Minuten standhalten.
Fehlt der Platz im Gebäude, kommen Outdoor-Speicher zum Einsatz. Dafür braucht es ein Fundament und Erschliessungsgräben. Steht der Speicher draussen, muss er zudem klimatisiert und beheizt werden können. Das drückt die Gesamteffizienz etwas.
Wendepunkt: Ohne Speicher verliert Solarstrom an Wert
Klimaschutz, Versorgungssicherheit und tiefe Erzeugungskosten werden die Nachfrage nach erneuerbarem Strom in den kommenden Jahren weiter deutlich ansteigen lassen. Gleichzeitig wächst der Druck, diese dezentrale Produktion technisch und wirtschaftlich sauber ins System zu integrieren – gerade bei grösseren PV-Anlagen, wie in der Landwirtschaft, im Gewerbe und bei öffentlichen Bauten. Denn je mehr Solarstrom zur gleichen Zeit ins Netz drängt, desto entscheidender wird die Frage: Wie wird daraus nutzbarer, wertvoller Strom – statt ein Überschuss zur falschen Stunde?
Genau hier werden Batteriespeicher zum Schlüsselelement. Leistungsfähige, langlebige und sichere Speichersysteme, modular auf die erforderliche Grösse anpassbar und einfach installier- und steuerbar, machen aus der PV-Anlage wieder eine planbare, robuste Eigenversorgung. Sie steigern den Eigenverbrauch, brechen Bezugsspitzen, verschieben den Stromeinkauf in Stunden mit tieferen Preisen und ermöglichen eine Notstromversorgung – um nur einige Betriebsweisen zu nennen. Kurz: Wer heute in Speicherfähigkeit investiert, stärkt die Eigenproduktion langfristig – und schafft die Grundlage für eine verlässliche, effiziente Energiezukunft.