Porträt eines Berufsschullehrers: «Ich habe mir meine Neugier stets bewahrt»
Zu seinem zehnten Praxisartikel in diesem Fachmagazin entlarven wir sein Gesicht: Cedric Himmelberger wurde in die Redaktion eingeladen, um über sich zu erzählen – über seinen Weg in der Elektrobranche, seine Tätigkeit als Berufsschullehrer, was ihn antreibt und womit er sich täglich beschäftigt.
Eine gute Geschichte beginnt in der Schweiz immer noch mit einer Lehre: Cedric Himmelberger legte seine berufliche Basis mit der Grundbildung als Elektroinstallateur EFZ. Und diese absolvierte er gleich mit dem kantonsbesten Abschluss. Kurz darauf durfte er seine Fähigkeiten bei den Berufsmeisterschaften unter Beweis stellen. Mit Platz 3 bei den Regionalmeisterschaften (RMS) und Platz 6 an den Schweizermeisterschaften (SM) wurde er zu einem der besten Elektroinstallateure der Jahrgänge 1999 und 2000.
Beim Militärdienst entschied sich der «Topstromer» für das Durchdienermodell. Als Richtstrahlpionier übernahm er eine Doppelfunktion, die zusätzlich die Ausbildung als Fahrer C1 umfasste.
Darauf, wie könnte es anders sein, führte sein Weg zurück in die Elektrotechnik, um sich weiterzubilden. Zunächst absolvierte er die Ausbildung zum Elektroprojektleiter mit eidgenössischem Fachausweis, anschliessend die Höhere Fachprüfung zum Elektroinstallations- und Sicherheitsexperten mit eidgenössischem Diplom. Mit einem schweizweiten Platz 3 beim Abschluss im Jahr 2024 setzte er ein weiteres Ausrufezeichen.
Faszination Wissensaustausch
Beruflich ist Cedric Himmelberger heute als Sicherheitsberater und Projektleiter in einem Installationsbetrieb tätig – mit Projekten in den Bereichen «Erneuerbare Energien», «Industrie» und «Service». Parallel dazu verfolgt er seine Herzensangelegenheit, wie er uns verrät: «Im Nebenamt unterrichte ich Berufskunde an der Berufsschule in Schaffhausen. Das bereitet mir grossen Spass, denn dort kann ich mein Wissen weitergeben und mit der nächsten Generation teilen.»
Ein paar Jahre zurück im Zeitstrahl: Schon früh entwickelte Primarschüler Cedric eine besondere Faszination für die Elektrizität. Für ihn ein unsichtbares Phänomen, das Lampen leuchten lässt und sogar Maschinen antreibt. Seine ersten Berührungspunkte hatte er bereits in der Volksschule, als sein technisches Interesse schnell geweckt wurde. «Ich war begeistert von der Idee, in einem Beruf zu arbeiten, in dem ich mitdenken und anpacken kann», erinnert er sich.
Schon damals war für ihn der Austausch von Wissen ein wichtiger Aspekt, wenn auch noch im kleineren Rahmen. Gemeinsam mit seinem Bruder, der dieselbe Grundausbildung absolvierte, tauschte er sich regelmässig aus. Dabei erklärte, probierte und vertiefte er nicht nur sein Verständnis, sondern bekam gleichzeitig Freude am Weitergeben von Wissen. «Rückblickend war das wohl mein erster Schritt in Richtung Berufsbildung», sagt «Electric Cedric» mit einem Schmunzeln.
Hand in Hand mit den Helden seiner Lehrzeit
Doch dies sei nicht als einzelner Augenblick zu verstehen, sondern vielmehr als Prozess. «Es war ein innerer Antrieb, laufend Neues lernen zu wollen», beschreibt er seine Motivation. Eine wichtige Rolle spielte dabei aber auch sein Lehrbetrieb, der ihm von Anfang an viel Abwechslung bot: vom klassischen Installationsalltag bis hin zur spannenden Sonderaufgabe.
Nicht zuletzt waren es die Menschen, die unseren Gastautoren prägten und auf seinem Weg begleiteten. «Ich hatte grossartige Ausbildner, die für mich echte Vorbilder waren. Sie hatten mir gezeigt, dass Fachwissen, Engagement und Leidenschaft miteinander einhergehen.» Dieser Mix aus innerer Neugier, Vielfalt im Alltag und inspirierenden Mentoren bestätigten ihm, dass er sich auf dem richtigen Weg befinde. «Heute arbeite ich mit meinen Helden der Lehrzeit Hand in Hand, das ist für mich eine enorme Ehre!»
Doch seine Motivation schöpft der 25-Jährige auch aus anderen Quellen. «Ein grosser Antrieb ist für mich die Dankbarkeit der Lernenden, das Leuchten in ihren Augen, wenn sie etwas verstanden haben», erklärt er mit grosser Begeisterung. Ebenso erfüllend sei das positive Feedback von Kunden und die Zusammenarbeit im Team, die von spannenden und herausfordernden Projekten geprägt sei.
Darüber hinaus ist natürlich auch das Privatleben nicht unbedeutend. Familie, Freunde und Partnerin geben ihm zusätzlich Rückhalt und Energie.
«Beide Welten profitieren voneinander»
Auf die Frage, wie er mit den beiden Berufsrollen klarkommt, sagt er: «Diese sind nicht voneinander zu trennen. Im Projektalltag sammle ich Erfahrungen, die ich dann direkt im Unterricht einbringe. Am Ball zu bleiben und mit dem technischen Wandel voranzuschreiten, bereitet mir Spass und hebt die Qualität des Unterrichts auf ein höheres Niveau. Umgekehrt helfen mir auch meine strukturierte Herangehensweise und meine Fähigkeit, stufengerecht zu kommunizieren, Kunden, Mitarbeitende und andere Stakeholder gut abzuholen.» Kurz: Am Ende vom Tag profitieren beide Welten voneinander.
Doch das Lernen beschränkt sich nicht nur auf den Berufsschulalltag. Der heutige Rhythmus von neuen Innovationen, die auf den Markt kommen, verlangt einiges ab. «Die Technik entwickelt sich derart rasant, dass man schnell den Anschluss verlieren kann. Aber für mich ist das Dranbleiben und Lernen kein Zwang, sondern ein Motor. Und wer vorankommen will, muss diesen auch am Laufen halten!»
Doch wie können aktuelle Themen, die zum Teil sehr komplex sind, den Berufsschülerinnen und -schülern in verständlicher Art und Weise vermitteln werden? Gemäss Cedric Himmelberger sind es Vergleiche, Praxisbilder und ein Schuss Humor, welche die perfekte Mischung ausmachen. «Elektrizität ist wie Wasser: Man sieht sie nicht, aber sie verursacht Druck. Erklärt man es so, versteht es auch die eigene Grossmutter – und dann ist man auf dem richtigen Weg!»
Wo besonderer Stolz liegt
Als wir unseren Gastautoren fragen, worauf er besonders stolz sei, hält er einen Moment inne und fährt fort. «Wenn ich zurückblicke, gibt es mehrere Projekte, die mich immer noch mit Stolz erfüllen.» Während seiner Lehrzeit waren das Umbauten, bei denen er Verantwortung übernehmen und sein Können unter Beweis stellen durfte. Als weiteres Highlight erwähnt er sein Engagement in der Schule, insbesondere bei der Revision der Bildungsverordnung. «An so einem Thema mitzuwirken, ist bedeutend. Man hat einen direkten Einfluss darauf, wie die nächste Generation von Fachleuten ausgebildet wird.»
Und da sind wir bereits beim grossen Thema angelangt: Wie man Theorie und Praxis denn am besten zusammenbringt? Für den Berufsbildner ist klar: «Theorie ist die Landkarte, Praxis die Reise. Ohne Karte verläufst du dich, ohne Ziel gibt es keine Reise.» So versucht er im Unterricht stets, die beiden Seiten miteinander zu verknüpfen, frei nach dem Motto: Erst die Thematik verstehen, dann diese anwenden. «Das ist mitunter der grosse Vorteil unseres dualen Bildungssystems.»
Fragt man den Fachmann über Trends oder Entwicklungen im Elektrobereich, kommt er ins Schwelgen. Besonders spannend sei für ihn ja einiges, aber mit einem Lachen zählt er dann doch auf: «PV-Anlagen, dynamische Netztarife und Einspeiseregulierungen, E-Mobilität, bidirektionales Laden, Grossbatteriespeicher, Regelenergie und noch vieles mehr.»
«Den Rucksack mit Wissen füllen»
In Zukunft möchte sich Cedric Himmelberger weiterhin zwischen Praxis und Schule bewegen, in beiden Welten fühlt er sich zu Hause. Vielleicht werde er verstärkt in die Entwicklung eigener Lehrmittel Zeit investieren. Als konkrete Projekte oder Ziele nennt er zudem das Vorantreiben der Umsetzung der «BiVo 2022+». Auch der Erwachsenenbildung bleibt er in Form von vereinzelten Einsätzen nach wie vor verbunden.
Auf die abschliessende Frage, ob er ein Lebensmotto oder eine Überzeugung für den täglichen Antrieb habe, erwähnt der gelernte Elektroinstallateur: «Wer hart arbeitet und jeden Tag ein Prozent besser wird, ist in 5 bis 10 Jahren unschlagbar. Man sollte immer mit offenen Augen durch den Alltag gehen und seinen Rucksack laufend mit Wissen füllen.» Schliesslich sei auch Zufriedenheit eine Einstellung, die von innen, und nicht von äusseren Einflüssen kommen sollte – egal, ob er jetzt als Lehrer, Projektleiter oder in anderen Funktionen unterwegs ist. Dabei möchte er nicht unerwähnt lassen, dass er stolz sei auf seine Schülerinnen und Schüler, seine Projekte, sein Team und darauf, dass er sich seine Neugier bis heute bewahrt hat.